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Effektives Lesen

Anregungen zum effektiven Lesen von Texten

Ich lese viel, aber ich lese nicht schnell. Über die Jahre hat sich jedoch immer wieder gezeigt, dass mein Erinnerungsvermögen was Text-Inhalte betrifft jenes meiner Freunde und Kollegen meistens übertrifft. Aus diesem Grund hatte ich für die Kollegen meiner MET-Ausbildungsgruppe einen Text zum effektiven Lesen verfasst. Dieser Artikel ist eine verbesserte und allgemeinere Version des Artikels aus meiner Ausbildung.

Folgende Fragen und Kommentare sollen dich dabei unterstützen, dass du die Informationen in Artikeln bewusster und effektiver verarbeitest. Ohne Bezug zu eigenen Erfahrungen und zur eigenen Lebenswelt bleibt jede Information “tot” und sie kann nicht zu “lebendigen Wissen” werden, welches stetig und kontinuierlich wächst.

Informationen brauchen Halt, ähnlich wie ein Baum der mit seinen Wurzeln die Erde durchdringt. Doch jeder Baum wächst anders, falls diese Fragen und Kommentare dich nicht unterstützen, kannst du sie jederzeit verwerfen.

Generelle Fragen zum Text

Nachdem einen Text, ein Buch oder ein Kapitel gelesen hast, solltest du dir kurz folgende Fragen stellen. Manchmal kann es auch nützlich sein, Notizen im Text oder nach der Lektüre des Textes anzufertigen. Nach kurzer Zeit wirst du, die für dich ideale Lösung finden.

  • Was sind die wichtigsten Aussagen in dem Text?
  • Welche Konzepte/Ideen/Aussagen etc. sind für mich neu?
  • Welche Konzepte/Ideen/Aussagen waren mir schon theoretisch bekannt?
  • Welche Konzepte/Ideen/Aussagen kannte ich bereits aus eigener Erfahrung oder anderen Lehren/Büchern etc.?
  • Wie gut habe ich den Text verstanden bzw. wie sehr habe ich damit auseinandergesetzt?
  • Kann ich darüber diskutieren?
  • Kann ich anderen darüber frei erzählen(im Privatgespräch)?
  • Kann ich darüber vortragen? (vor einer Gruppe)
  • Welche Teile im Text kann ich erklären?
  • Welche Teile im Text kann ich nicht erklären?

Beispiele im Text und Bezug zur eigenen Lebenswelt

  • Kann ich alle genannten Beispiele nachvollziehen?
  • Kann ich alle genannten Beispiele durch Beispiele aus meiner Praxis/Ausbildungsgruppe ersetzen/ergänzen? (Eigene Erfahrungen können oft plastischer/lebendiger sein als Lehrbeispiele.) Wenn nicht, liegt es daran, dass ich diese Konzepte/Beispiele nicht verstanden habe?
  • Habe ich Beispiele für Inhalte im Text, wo keine Beispiele angegeben sind? Könnten diese Beispiele klärend für meine Kollegen sein?

Schwierige/Unverständliche Textpassagen

Manche Textteile stehen oft auf den Kopf, daher kann es sinnvoll sein einen schwer verständlichen Teil rückwärts zu lesen, also den letzten Satz zuerst, dann den vorletzten Satz etc.
Wenn ein längerer zusammenhängender Teil unverständlich ist, kann es sehr hilfreich sein zuerst die Teile herauszuschreiben, die einem verständlich sind. Meist bauen Informationen auf einander auf und sobald die Basis gelegt ist, ist der Rest des Weges bei weitem einfacher.

Widersprüche bzw. der integrative Teil

Die Auflösung von Widersprüchen ist die Voraussetzung für die Integration und Assimilation von Information. Manche Aussagen können im ersten Moment widersprüchlich wirken. Erst durch genauere Betrachtung, Nachfragen und Diskussion kann sich ergeben, dass es sich gar nicht um Widersprüche handelt. Vielmehr liegen oft starre Denk- und Verhaltensmuster, die man sich im Laufe des Lebens angeeignet hat. Die Schule, Kirche und dementsprechend auch die Gesellschaft fördert in erster Linie starre Denk- und Verhaltensmuster. Typisch dafür sind “entweder oder”-Schema: richtig oder falsch, gut oder böse, immer oder nie. Diese ständigen absoluten Bewertungen führen dazu, dass wir verstärkt in starren Mustern denken und handeln. (Starre Muster machen uns funktionaler und berechenbarer. Starre Muster verhindern auch Aufregung und dienen der Unterdrückung von Angst.) Wir beginnen Widersprüche zu sehen wo es keine gibt, wir kämpfen in Konflikten wo keine Konflikte sind.

Es geht beim Lesen, um die Aneignung von Wissen und nicht um das Schlucken von Informationen. Ersteres ist Integration und Wachstum, zweiteres ist blinder Gehorsam. Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, dass einem jeder Widerspruch bewusst wird. Ansonsten wird der Text nur geschluckt. Manchmal mag es sogar nötig sein, den Text wieder “auszukotzen” und erst nach Tagen oder Wochen zu versuchen ihn wieder zu zerkauen, manche Texte sind einfach schwer verdaulich. Manche Texte sind wie ein Stück altes hartes Brot, aber der Nährwert vom alten Brot gegenüber einer dünnen Suppe ist keinesfalls zu unterschätzen.

Folgende Fragen sollen dabei helfen, dass du dir etwaiger Widersprüche bewusst(er) wirst:

  • Widersprechen Inhalte dem Text anderen Inhalten im Text?
  • Widersprechen Inhalte im Text meiner Wahrnehmung und/oder Erfahrung?
  • Wo genau sind die Widersprüche?
  • Macht irgendetwas keinen Sinn?

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